Drittel-Recap zur OMX 2016

Nachdem ich dieses Jahr bei der OMX als Moderator im großen Saal 1 tätig war, beschränkt sich mein Rückblick auf diesen Track. Uschi und Oliver haben gerufen und über 600 Online-Marketer aus Österreich und Deutschland folgten.

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Für die Keynote haben die Konferenz-Veranstalter das Unmögliche möglich gemacht: erstmalig standen hier Robert Seeger Junior und Senior gemeinsam auf der Bühne. Letzterer selbstverständlich standesgemäß im Norwegerpullover! Der langjährige Chefsportkommentator des ORF würzte den Vortrag mit zahlreichen Anekdoten aus seinem Berufsleben – der eine oder andere im Saal wurde unweigerlich an Sport-Highlights der guten alten Zeit erinnert. Inhaltlich wurde uns Werbern beinhart der Spiegel vorgehalten: müssen wir wirklich jeden Unsinn live auf Facebook streamen? Wenn ich mir in einer ruhigen Minute Snapchat anschaue, lautet die Antwort auf diese Frage wohl oder übel: JA. Es ist kaum zu glauben, welche Banalitäten und Belanglosigkeiten aus dem Leben völlig Unbekannter die Massen offenbar interessieren und begeistern. „Live ist das neue besser“ war das Credo der beiden Robertos – die Dynamik und Redegewandtheit des Vater-Sohn-Gespanns auf der Bühne war wirklich sehenswert. Apropos sehenswert: erstmals wurde eine OMX-Keynote mittels Facebook Live ins Netz übertragen, über 1.000 Menschen waren dabei. Nomen est omen 😉

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Danach erzählte uns Armin Rogl, ehemaliger Ö3-Radiomoderator und jetzt als Werber tätig, über Krisenkommunikation und den richtigen Umgang mit Shitstorms. Mein Learning daraus: lieber einen ausgearbeiteten Krisenplan in der Schublade verstauben lassen, als im Falle des Falles panisch der Wut der User hinterher hecheln.

Ein paar der geheimen Geheimnisse des Facebook Targeting verriet dann Thomas Hutter, einer der deutschsprachigen Facebook Experten. Abseits der vermutlich landläufig bekannten, standardmäßigen Zielgruppenselektion über soziodemographische Merkmale, stellte Thomas einige extrem interessante neue Varianten vor. So gewährt Facebook (auf Anfrage beim zuständigen Account Manager) auch Zugriff auf externe Datenquellen wie verfügbares Haushaltseinkommen, Kreditwürdigkeit und ähnliche datenschutzrechtliche Schweinereien. Wie immer gilt hier: je effektiver eine Targeting-Methode, desto grauer im juristischen Sinne. Wenn ich die jüngsten rechtlichen Vorwürfe gegen Mark Zuckerberg berücksichtige, wird sich hier in der nächsten Zeit definitiv einiges tun.

Einen Blick in die (sehr nahe) Zukunft der digitalen Möglichkeiten gewährte uns Digitalprofi Thomas Holzhuber. In jeder Menge Videos wurde Shopping und Alltagsleben mit IT-Unterstützung gezeigt – teilweise durchaus creepy.

In einem meiner persönlichen Highlights sprach Fritz Jergitsch über sein Satire-Projekt dieTagespresse. Als Kabarettist hast du es bekanntlich geschafft, sobald Politiker deine Witze als echt empfinden und mittels Presse-Aussendung reagieren. Insoweit hat Fritz es definitiv geschafft 😉 Am Anfang war es ein reines Spaßprojekt – mittlerweile arbeiten sechs Personen an der Page und monetarisieren sowohl über klassische Werbung als auch über Content Marketing. Wer sich darunter (noch) nichts vorstellen kann, dem sei folgender Link ans Herz gelegt. Ohne jegliches Werbebudget eine Webseite mit über 700.000 unique visitors im Monat und über 300.000 Fans auf Facebook zu stemmen, verdient Hochachtung und Applaus.

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Super spannende Insights in politische Wahlkämpfe brachte ein energie-geladener Julius van der Laar auf die Bühne. Er war selbst 2008 und 2012 im US-Wahlkampf für Barack Obama involviert, dementsprechend geil waren die Einblicke in A/B Tests und Wähler-Segmentierung. Wenn ich mir da den zur Zeit mehr als lauen Wahlkampf von Van der Bellen anschaue, trennen in Punkto Performance Amerika und Österreich hier Lichtjahre.

Dass unser Hirn bewusst und unbewusst arbeitet, dürfte jeder mit durchschnittlicher Schulbildung irgendwann mal gehört haben. Was das genau für Online Marketing bedeutet, hat uns Dieter Georg Herbst auch für wissenschaftliche Laien durchaus verständlich klar gemacht. Seitdem klassifiziere ich jede Werbe-Maßnahme in System 1 und System 2 *g*.

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Wie man aus über 600.000 Abonnenten auf Instagram tatsächlich Conversionen erzielen kann, konnten Leonie Hanne und Alexander Galievsky zwar für mich nicht wirklich schlüssig beantworten, das Thema Influencer Marketing scheint aber mehr für Brand Awereness als für Performance Marketing geeignet zu sein. Einige Sachen dürften die beiden doch richtig gemacht haben: sie haben etwa tausendmal mehr Follower als ich.

Den würdigen Abschluss eines abwechslungsreichen Tages erledigte einer der wichtigsten Business Angels Österreichs, Hansi Hansmann. Er gab Einblicke in die unterschiedlichen Geschäftsmodelle einiger seiner Investments und definierte die zwei grundsätzlichen Angehensweisen eines StartUps: Entweder rasch große Traction aufbauen – selbst wenn Geschäftsmodell und Umsätze komplett fehlen – oder aus dem erwirtschafteten Cashflow wachsen und primär an Geld verdienen denken. Angesichts der Entwicklungen des Aktienkurses z.B. von Twitter würde ich aus dem Bauch heraus eher auf Variante Zwei bauen.

Um die OMX nun mit einem der Jugendwörter des Jahres 2016 zu beschreiben: WKM$N$HG

Ps: Die wunderschönen Sketchnotes wurden von Ines Schaffranek erstellt.

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